WeltenFrauen: Isabell, 18 Jahre, aus Kroatien

„Wo immer du bist, etwas ist immer anders“
Das Bild zeigt mich in einem ganz besonderen Gewand. Es ist eine Tracht aus der Region im Osten Kroatiens, aus dem meine Eltern stammen. Es ist das Gewand, das die Königinnen getragen haben. Dieses Kleid ist handgefertigt und wurde in meiner Familie weitervererbt. Der Rock sowie das Tuch sind aus Seide, verziert mit Goldfäden. Um den Hals werden Dukaten, Goldstücke, getragen wie eine Kette. Beim Tanzen werden sie mit Stecknadeln befestigt. Auch die Schuhe sind etwas Besonderes. Die Sohle ist aus Leder, ansonsten bestehen sie aus gehäkeltem Stoff. Wenn ich diese Tracht zum Tanzen anlege, spüre ich, wie...

meine Schultern sich straffen. Ich gehe aufrecht, meine gesamte Gangart ändert sich. Und es macht mich stolz. Stolz, weil meine Mutter auch schon immer getanzt hat, meine Oma, meine Tanten, jeder in meiner Familie. Ich bin also damit aufgewachsen und kann etwas weitergeben.

Wobei aufgewachsen vielleicht schlecht ausgedrückt ist. Meine Eltern kamen in den 80er Jahren nach Deutschland. Ich bin hier in Deutschland geboren und verbrachte die Ferien in der kroatischen Heimat meiner Eltern. Dort habe ich das Tanzen auch erlebt, die Bedeutung gelernt. Dass gewisse Tänze zum Beispiel von großen Hochzeiten oder der Feldarbeit erzählen. Selbst getanzt habe ich dann in Deutschland. Und mir war es nie unangenehm. Im Gegenteil, es erfüllt mich mit Stolz. Ich muss immer unwillkürlich lächeln und finde das Tanzen wirklich schön.

Und auch meine deutschen Freunde haben sich nie lustig darüber gemacht. Im Gegenteil, sie fanden es cool. Einige tanzen sogar inzwischen mit. Es sind Traditionen, die man weitergibt und ich finde, wir lernen viel voneinander. Zum Beispiel, dass meine Eltern mich strenger erzogen haben. Ich glaube, ich bin dadurch ein sehr strukturierter Mensch geworden. Und die Kroaten wiederum sind nicht so steif, leben nicht so nach Zeitplan. Und insbesondere tanzen dort auch die Männer. Nicht nur traditionelle Tänze, sondern auch auf Partys und Hochzeiten. Das ist ganz anders als hier.

Wenn ich mir das Bild ansehe, dann wird mir bewusst, dass es egal ist, wo man ist. Irgendwas ist immer anders. Jedes Land hat seine Vor- und Nachteile. Deutschland hat eine offene Kultur. Vielleicht nicht so gelassen wie die der Kroaten. Ich musste nie lernen, mit meiner anderen Kultur zurecht zu kommen. Vielleicht, weil die kroatische Kultur der deutschen nähersteht. Aber ich bin froh darum. Ich denke ehrlich gesagt kaum darüber nach. Für mich sind beide Kulturen selbstverständlich. Eher möchte ich noch mehr erleben. Ich liebe es, zu reisen und neue Kulturen kennenzulernen. War deshalb auch schon für einen Monat in den USA. Und ich möchte noch sehr viel mehr sehen und entdecken. Die Freiheit genießen. Das ist es doch, worum es uns allen letztlich geht.

WeltenFrauen Isabell aus Kroatien Ellen Schmauss

Infos zur Ausstellung: weltenfrauen.com
Die Fotos können auch käuflich erworben werden: www.ellenschmauss.de

Text: Isabell
Foto: Ellen Schmauss

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